„Die Gesellschaft muss sich ändern, nicht der Behinderte“

Das BMAS im Dialog mit dem Gustav Heinemann Haus

Es war ein Besuch mit Signalwirkung: Am 12. März 2011 trafen der parlamentarische Staatssekretär Herr Hans-Joachim Fuchtel und Ministerialdirektorin Frau Gitta Lampersbach zu einem Informationsaustausch im Gustav Heinemann Haus ein. Das Hauptthema des intensiven Gesprächs mit den Geschäftsführern der Evangelischen Axenfeld Gesellschaft gGmbH und der Gemeinnützigen Gustav Heinemann Haus GmbH, Herrn Achim Konitz und Herrn Christoph Hermes, bildete der nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Die am 26. März 2009 ratifizierte Konvention fordert, Behinderten von Anfang an die volle gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen – und zwar nicht allein durch die Beseitigung von Integrationshemmnissen, sondern positiv durch die Öffnung der Gesellschaft auf ihre Individualität hin. Ausdruck hierfür ist der Leitgedanke der „Inklusion“, dem auch das Gustav Heinemann Haus in seiner Arbeit seit Jahren folgt.

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung stellt, so unterstreicht Herr Fuchtel, ein wichtiges Referenzdokument zur Sicherung der umfassenden Teilhabe und damit der Verwirklichung der uneingeschränkten Menschenrechte der Behinderten dar. Es wirke sich bereits maßgeblich auf die neuen Entwicklungen in der Behindertenpolitik aus und bereite den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft vor. Und Frau Lampersbach, die zuständige Abteilungsleiterin für die Belange Behinderter Menschen, Prävention, Rehabilitation, Soziales Entschädigungsrecht im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) betont: „Die Konvention ist eine große gesellschaftliche Herausforderung und kann nur gemeinsam umgesetzt werden, indem alle Menschen mit einbezogen werden.“ Hierzu hat die Bundesregierung einen nationalen Aktionsplan mit dem Ziel der Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft erarbeitet, der im April vorgestellt werden soll.

Politisch für die Umsetzung der UN-Konvention verantwortlich, sieht das BMAS Inklusion zu Recht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb bedarf es hier der Mitwirkung von Verbänden, Kommunen, Wirtschaft und Betroffenen, um gemeinsam konkrete Schritte zu gestalten, die allen Bürgerinnen und Bürgern dazu verhelfen, ihren selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft zu finden. Fuchtel: „Der Austausch mit den Verbänden vor Ort zeigt uns, wo die Teilhabe von Menschen mit Behinderung bereits gut funktioniert und wo wir miteinander überlegen müssen, wie wir etwas besser machen können.“

Hier bietet gerade das bereits Mitte der siebziger Jahre als „Haus der Behinderten“ mit bundesweiter Modellfunktion gegründete Gustav Heinemann Haus zahlreiche Anknüpfungspunkte: Es ist traditionsgemäß Ort der Begegnung für Menschen mit und ohne Behinderung – und bietet Raum für die aktive Gestaltung dieser Begegnungen durch die Betroffenen selbst. Hinzu kommt die gerade in diesen Monaten im Rahmen der Initiative „Soziale Stadt“ konzeptionell und praktisch vorangetriebene Öffnung des Gustav Heinemann Hauses zum Stadtteil Tannenbusch, die bereits ganz von dem Gedanken der Inklusion getragen wird. Hiervon konnten sich Herr Fuchtel und Frau Lampersbach auch bei einer gemeinsamen Begehung des Hauses überzeugen.

Die Einbeziehung des Gustav Heinemann Hauses in den nationalen Aktionsplan verleiht der gegenwärtig stattfindenden inhaltlichen Ausdehnung der Arbeit des Hauses neue Impulse, während gleichzeitig den Forderungen der UN-Konvention Rechnung getragen wird – eine Entwicklung, die von allen Beteiligten ausdrücklich begrüßt wurde.